FOCUS-GOTTESDIENST

Sonntag |  16. September 2018  | 11:30 Uhr | LUISENKIRCHE

Thema: „IsraelPalästina: Traumata und Feindbilder überwinden“

Gast: Christian Kercher - Historiker und Friedensaktivist

 

 

Christian Kercher war als Menschenrechtsbeobachter in Jerusalem und Yanoun bei Nablus im Rahmen des Ökumenischen Begleitdienstes in Palästina und Israel (EAPPI) tätig. Als Redakteur hat er die PalästinaIsraelZeitung geprägt. 

Nur lauwarm sei die Unterstützung der Christen weltweit für die befreiungstheologische Bewegung seit unserem Aufruf „Kairos-Palästina“ von 2009, beklagen leitende palästinensische Christen in einem Brief an den Weltkirchenrat im Sommer vor einem Jahr. Tatsächlich hat das Kairos-Palästina-Dokument in Deutschland nur ein leises Echo gefunden. Geht es darin wirklich um das Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit (Matthäus 5) und den Ruf des Propheten: „Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten!“ (Jesaja 1), den die Autoren zitieren? Wir leihen hierzulande unser Ohr eher dem israelischen Rufen nach Sicherheit vor dem „Terror“ in Gaza und Westjordanland, wie der Widerstand gegen die militärische Besatzung genannt wird. Aber haben nicht die jüdischen Siedler Recht, wenn sie sagen: „Die Bibel sagt, Gott gab uns das Land?“ Und verpflichtet nicht die Shoah die Deutschen zur Zurückhaltung bei der Kritik an der Politik des Staates Israel? 

 

Oder kann es sein, dass sich die Israelis selbst in ihrer Angst eingemauert haben? Und dass die Mahnung zum Vertrauen wagen für ihr Wohl wichtiger wäre als die Lieferung von Waffen? Und dass das von der israelischen Regierung verordnete Verschweigen von Enteignung und Vertreibung der Palästinenser seit der Staatsgründung die Befreiung auch vom eigenen Trauma behindert?